Videomitschnitte von Vorträgen

Hier finden Sie Mitschnitte von Vorträgen über islamisch-theologische Themen


Prof. Dr. Reza Hajatpour: "Die Vorgeschichte der Arabaischen Revolte - Grüne Revolution im Iran von 2009"


Seit Jahrzehnten suggeriert das klerokratische System im Irannach außen hin demonstrativ das Erscheinungsbild, die revolutionären Eliten und das Volk stünden geschlossen hinter der Führung und seiner kompromisslosen Politik. Mit der Wahl Ahmadinejads zum Präsidenten im Jahr 2005 hatten die revolutionären Protagonisten gehofft, diese vermeintliche Einheit aufrecht erhalten zu können. Am meisten versprach sich davon die oberste geistliche Führung der Islamischen Republik, Ali Chamenei, mit dem Ziel, seine angeschlagene Autorität zu stärken. Die Massenproteste im Juni 2009 nach der umstrittenen Wiederwahl Ahmadinejads und die Entstehung einer neuen Bewegung, die sich der „Grüne Weg" nennt, zeigen die tiefe Unzufriedenheit, vor allem der jungen Generation, mit dem System in Teheran. Im Jahr 2011 wurde im Nahen und Mittleren Osten eine Protestwelle ausgelöst, die die Welt und die Arabische Bevölkerung selbst überrascht hat. Die Wurzel dieses Umbruchs ist allerdings eine verschleierte Krise, die seit Jahrzehnten die islamische Welt begleitet. Die Ähnlichkeit der Massenprotestbewegungen in Tunesien und Ägypten mit der im Iran ist verblüffend, und es ist sicherlich nicht falsch, wenn man die Bewegungen in Tunesien und Ägypten als „Nachbeben" der Proteste gegen Ahmadinejad bezeichnet. Der Nahe und Mittlere Osten befindet sich in einer Krise und steht vor einem radikalen Wandel. Vor diesem Hintergrund beleuchtet die Vorlesung anhand der Veränderungen des politischen und religiösen Klimas im Iran die Vorgeschichte einer Revolte, die kaum jemand erwartet hat.

Prof Dr. Reza Hajatpour ist Lehrstuhlinhaber der islamisch-religiösen Studien mit systematischem Schwerpunkt. Mehr Informationen zu Prof Dr. Reza Hajatpour...



PD Dr. Abbas Poya:  "Ambiguität und Toleranz. Von der Anerkennung der Differenz"


Der Vortrag diskutiert die Zusammenhänge zwischen „Ambiguität“ und „Toleranz“ und plädiert für eine Toleranz im Sinne von „Anerkennung“. Zentrale Thesen des Vortrags sind folgende Punkte: Toleranz stellt einen „ambigen“ Begriff dar. Ihr liegen unterschiedliche und in ethisch-sozialer Hinsicht zumindest zwei Bedeutungen zugrunde: „Dulden“ und „Anerkennen“. Je nach der Skala der „Ambiguitätstoleranz“ erhält Toleranz eine andere Bedeutung. Man kann für Toleranz unterschiedlich argumentieren: religiös, pragmatisch und erkenntnistheoretisch. Diese Argumentationsmöglichkeiten stehen in Korrespondenz zueinander und rühren alle von der Erfahrung über die Ambiguität des Religiösen, des Sozialen und schließlich der menschlichen Erkenntnisse her – eine Einsicht, die einen bescheidenen Umgang mit dem eigenen Wissen und der eigenen Haltung begünstigt.

PD Dr. Abbas Poya ist Leiter der Nachwuchsforschergruppe "Norm, Normativität und Normenwandel I". Mehr Informationen zu PD Dr. Abbas Poya...